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2.000 Kilometer bis zur Reparaturwerkstatt

In der Lokfertigung der DB Fahrzeuginstandhaltung GmbH in Dessau wird neuerdings schwedisch gescherzt. Die Ingenieure und Techniker haben schweren Besuch aus dem hohen Norden.

Elektrische Lokomotiven mit Unfallschaden gehören im Werk Dessau zum täglich Brot. Mehr als 300 E-Loks werden hier jährlich instandgesetzt. Aber eine Lok, die zur Reparatur rund 2.000 Kilometer anreisen muss, das gibt es nicht alle Tage.

Die Lok stand auf einem Abstellgleis an einem Prellbock in Kiruna – ganz weit im Norden Schwedens, fast schon am Nordkap. Nun fuhr ein leerer Zug genau auf dieses Gleis. Mit einer Geschwindigkeit von über 15 Kilometern pro Stunde ließ er sich weder von der tonnenschweren Lok noch von dem Prellbock aufhalten. Beides rutschte einen Abhang hinab. Die E-Lok der Baureihe 185 vom Hersteller Bombardier wurde stark beschädigt.

Nun kam das Team aus Dessau ins Spiel. Die Profis haben im vergangenen Jahr 335 Lokomotiven instandgesetzt, davon waren allein 20 Lokomotiven leicht bis schwer verunfallt. Damit ist das Werk in Dessau bei der E-Lok-Reparatur die Nummer 1 in Deutschland. Oliver Heinisch, Fertigungsingenieur in der Produktionseinheit Lokservice und Drehgestelle berichtet: „Im Oktober kam die Anfrage, da sind wir direkt hingefahren und haben die Lok vor Ort untersucht.“

Heinisch und sein Team haben an der Lok eine 3D-Vermessung vorgenommen. Dabei steht sie auf Hubböcken und wird mit einer Optik vermessen. Die Messpunkte sind vom Hersteller vorgegeben. Daraus lässt sich der tatsächliche Schaden ableiten. Noch heute ist er schwer beeindruckt. „Es ist das erste Mal, dass ich so einen Unfall gesehen habe. Im Untergrundbereich und an den Seiten gibt es sehr viele Deformationen und Eindellungen. Das ist aufwändig zu schweißen.“

Mit diesen Daten konnte die DB Fahrzeuginstandhaltung ein Angebot abgeben, dass den Eigentümer der Lok überzeugt hat. Im Januar wurde der Vertrag unterschrieben, auf dem Schwerlasttransporter wurde dann im Februar der Lok-Kasten nach Dessau gebracht, die Drehgestelle folgten. Für die Instandsetzung sind insgesamt 29 Wochen veranschlagt.

Der Rücktransport wird dann noch einmal eine logistische Herausforderung. Da die E-Lok nur mit einem schwedischen Zugsicherungssystem ausgestattet ist, darf sie in Deutschland nicht aus eigenem Antrieb die Heimreise antreten. Also wird sie über die Gleise bis nach Rostock geschleppt. Dann geht’s mit der Fähre nach Trelleborg. In Schweden findet dann noch eine belastete Probefahrt statt. Dann darf die Lok wieder in ihre Heimat nach Nordschweden reisen.


Text: Jan Frintert/fischerAppelt